Termine nach Vereinbarung

Czech.mth@gmx.at

Tel: 0677 634 964 57

Lucia Czech

Wege zum Glück     von Paul Coelho

Ein König setzte einst einen großen Preis aus für den Künstler, dem es gelänge, den Gedanken des Friedens am besten wiederzugeben. Viele Maler schickten ihre Arbeiten in den Palast. Ihre Bilder zeigten Wälder im Abendlicht, ruhige Flüsse, über den Sand rennende Kinder, den Regenbogen am Himmel, Tautropfen auf einem Rosenblatt.

Der König betrachtete alle Werke genau und zog dann am Ende zwei Arbeiten in die engere Wahl. Das eine zeigte einen ruhigen See, in dem sich die mächtigen Berge, die ihn umgaben und der blaue Himmel spiegelten Es gab auch ein paar kleine weiße Wolken, und wenn man genau hinsah, konnte man in der linken unteren Ecke ein kleines Haus mit offenem Fenster und einem Schornstein erkennen, aus dem Rauch heraus kam – ein Zeichen einer einfachen, aber köstlichen Abendmahlzeit.

Ein zweites Bild zeigte ebenfalls Berge. Doch diese waren rau, mit spitzen Gipfeln und steilen Hängen. Über den Bergen war der Himmel bedrohlich und düster, und aus den dunklen Wolken kamen Blitze, Hagel und Regenfluten. Dieses Bild war so ganz anders als als die sonstigen für den Wettbewerb eingesandten Bilder. Aber wenn man das Bild genau anschaute, konnte man in einer Spalte im unwirtlichen Fels ein Vogelnest erkennen. Dort, mitten im tobenden Sturm, saß ruhig eine Schwalbe.

Vor dem versammelten Hofstaat wählte der König dieses Bild als dasjenige aus, das den Gedanken des Friedens am besten ausdrückte. Und er erklärte: „Frieden ist nicht an einen Ort ohne Lärm, ohne Probleme, ohne harte Arbeit gebunden, sondern er ist unsere Fähigkeit, die Ruhe unseres Herzens zu bewahren, selbst in den widrigsten Situationen. Dies ist seine wahre und einzige Bedeutung.“

©Lucia Czech - 2019